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Zitat:
«
WORTlieb ist wie Musik, die man zum ersten Male im Radio hört, und die niemals mehr aus dem Ohr geht. Der Rhythmus seiner Texte trägt mich
entlang seiner auserwählten Worte.
Und diese Worte
führen mich zu Essenzen des Menschseins in Variationen, die sich immer wieder überraschend neu
 eröffnen...

»
Vivienne Vernier,

Essayistin, Berlin




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Interview 1: WORTlieb


"Schreiben im aktivsten Sinne!"
von Maya Hofberg
         
[Auszug aus dem Interview vom 23.April 2008]

Wie sind Sie vom Theaterschaffenden zum Schreiben gelangt?

WORTlieb: Auftritte aller Art hatten schon immer eine grosse Anziehung auf mein Gemüt: Von Kabarett und Chanson-Abenden über Performance-Happenings und Konzert-Shows bis hin zu Lesungen und eben Theater. So war es naheliegend, einen solchen Beruf zu erlernen. Über das Theatermachen bin ich dann schliesslich zum professionellen Schreiben gelangt. Ein freies Theater-Ensemble hat mich angefragt, ein Stück zu schreiben. Natürlich habe ich diese Chance wahrgenommen und mehr Freude daran gefunden als am Theater selbst. So bin ich dazu gekommen und dabei geblieben.

Wie würden Sie selbst denn Ihre Art zu schreiben, Ihren Stil beschreiben?

WORTlieb: Ein Genre zu benennen ist schwieriger als meine Texte zu umschreiben. Man könnte sagen, es seien kabarettistische Texte, einfach Humorphilosophie oder Irgendwieliteratur. Wenn ich die Art meines Schreibens in einer Allgemeinheit zusammenfassen müsste, würde ich sagen: Sie ist einfach, poetisch, humorvoll, philosophisch und emotional. Punkt fertig.

Sie bezeichnen sich als Poet und nicht als Schriftsteller. Weshalb?

WORTlieb: Der Poet ist der Vagabund unter den Schriftstellern. Vagabund im schönen Sinne. Poesie gibt Kraft. Poeten sind Landstreicher statt Reisebüro-Touristen und leben von den Emotionen, nicht von der Intellektualität. Intellekt allein reicht nicht aus. Die Emotionen, die man empfindet, beschreibt oder vermittelt, machen den Schriftsteller zum Poeten.

Apropos: Sie sind nun schon seit  knapp 15 Jahren poetisch tätig und trotzdem gibt es von Ihnen noch keine Buchveröffentlichung...

WORTlieb: Bücher zu veröffentlichen hat auch seinen Reiz. Aber da ich eben vom Theater komme und ich sehr viel mit Performances zu tun habe, war es mir immer sehr wichtig, meine Texte auch auf der Bühne zu interpretieren. Auch heute noch verbinde ich ab und zu eine Lesung mit einer Performance oder stelle es so dar, dass die Lesung selbst die Performance ist. Die Darstellung einer meiner Texte, die Stimmführung und die Spontaneität kann ich auf der Bühne am besten zum Besten geben. Ich wollte nicht bloss Figuren erfinden, sondern auf der Bühne oder im Radio wollte ich diese Figur darstellen, manchmal auch bloss andeuten oder stimmlich imitieren. Das ist Schreiben im aktivsten Sinne - wie ich meine - und das reizt mich sehr. Das finde ich das interessanteste an Bühnen-Auftritten.

Ihre Lesungen sind ja zum Teil schon fast legendär und trotzdem sind Sie ein Geheimtipp. Weshalb?

WORTlieb: Ich habe nicht gewusst, dass ich ein Geheimtipp sein soll...

Aber man erzählt sich ja einiges über Lesungen von Ihnen...

WORTlieb: ...ja, es kommt natürlich darauf an, an welchem Anlass man liest. Als ich angefangen habe, Lesungen zu halten, fanden diese auch oft in Kneipen statt. Dort liest man andere Texte als an einer Vernissage. In einer Kneipe herrscht eine ungezwungene Atmosphäre, Alkohol ist mit im Spiel und da wurden meine Lesungen oft zu ausgelassenen Parties. An einer Lesung habe ich einen erotischen Text vorgelesen, der "NACKT" heisst. Dieser Text provozierte, dass sich jemand in der vollen Kneipe komplett nackt ausgezogen hat, während ich las. Das würde natürlich an einem Firmenanlass oder einer kulturellen Veranstaltung nicht geschehen. Deshalb liebe ich auch die Vielseitigkeit mit ihren Überraschungen. Ich mag Lesungen, die durch ihren Stil bestechen; Literatur-Feste, Kultur-Events, klassische Matinées oder ähnliches. Immer wieder gerne halte ich in Restaurants "Dinner poetry"-Lesungen; Ein 5 Gang Menü mit einer Geschichte in 5 Akten inklusive. Das ist immer gut angekommen und macht immer wieder Spass.

Gibt es bald etwas grösseres in Aussicht?

WORTlieb: Natürlich werde ich immer wieder Lesungen halten. Die Arbeit auf der Bühne mache ich schon lange und empfinde aber nun den Gedanken auch sehr angenehm, wenn mein Buch einfach in den Buchhandlungen in den Regalen stünde und ich nichts dafür tun müsste, dass es gelesen würde. Nun hat eben eine neue Ära angefangen: Warten Sie es ab.....





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